Die Nacht zu Worms

Foto: Bernward Bertram

1521. Kaiser Karl V., Herrscher über das Heilige Römische Reich Deutscher Nation und mächtigster Mann seiner Zeit, ist ratlos. Sein Europa droht zu zerbrechen. Bedrängt wird es von nationalen Egoismen, dem Machtstreben und der Gier Einzelner, vom Verlust der Autorität der Kirche und der Angst vor dem Islam; Süleyman der Prächtige ist unaufhaltsam auf dem Vormarsch.

Besonders dramatisch ist die Lage in Deutschland. Aufruhr erschüttert das Land, Unzufriedenheit herrscht aller Orten, Anarchie bedroht die bestehende Ordnung. Was eben noch fest gefügt schien, zerrinnt dem Herrscher zwischen den Fingern. Was kann Karl tun, um den Niedergang Europas aufzuhalten?

500 Jahre später ist die Lage kaum anders. Die Einheit Europas steht infrage, Deutschland erscheint unregierbar und es sind nicht allein wirtschaftliche Fragen, die ihre Schatten werfen. Unzufriedenheit trübt die Stimmung im Land. Die Herrschenden sind ratlos.

 

Die Nacht zu Worms stellt die Frage, was die Menschen bewegt, was sie auf die Straße und in die Arme von Populisten treibt. Das Drama lotet aus, was die Herrschenden und was wir alle tun können, nachdem das Heilsversprechen der Globalisierung uns in die Sackgasse geführt hat. Was bleibt uns, wenn der Individualismus das Ende der Ich- Fahnenstange erreicht hat und welche Werte stellen wir dem gegenüber?

Die Antworten, die das Stück findet, sind unbequem.

 

Die Nacht zu Worms zeigt, was eine Zeitenwende mit den Menschen macht, damals wie heute, und entwirft eine Vision, um das Auseinanderbrechen der Gesellschaft zu verhindern.

Foto: Rüdiger Böhme

 

... überaus eindrucksvolles Ein-Personen Stück...

WORMSER ZEITUNG

 

Was für ein Abend! Nichts als ein Mann und seine Worte - aber die öffnen Welten.

Plötzlich sind Bilder da. Kopfkino vom Feinsten. Eindrücklich, packend und bisweilen ganz leise.  Almut F.  - Berlin

WORMS; 9. August 2017

 

Der Schauspieler und Autor Christian Schramm hat in versgebundener Sprache von Schiller’scher Qualität, die er mit größter Selbstverständlichkeit zum Leben erweckte, ein hochintelligentes und ebenso spannendes Kammerspiel geschaffen. Im Frühjahr war Schramm mit seinem Ein-Personen-Stück schon einmal in Worms. Und nun erzeugte er mit seinem Vortrag bei den Besuchern ein mitreißendes Kopfkino. Ergänzt von authentisch klingenden Toneinspielungen befanden sich die Zuhörer gefühlt mitten im Geschehen. Basierend auf profundem historischen Wissen, dramaturgischer Kompetenz und dichterischer Schöpferkraft hat Schramm eine Geschichte erdacht, die einerseits die soziale, politische und religiöse Situation, auf der die Reformation fußte, packend darstellt, andererseits eine fiktive wie schlüssige Wendung von utopischem Charakter nimmt.

Dafür steigt der Schauspieler in die Rolle von Kaiser Karl V., der sich als Friedensbewahrer in Europa, Beschützer vor den Osmanen und als Verteidiger sowie Erneuerer der römisch-katholischen Kirche sah. Vor ihm sollte der Reformator am 18. April 1521 in Worms seine Schriften widerrufen, sonst drohte ihm die Ächtung. Da sich im Reich unter den Bauern und ärmeren Stadtbewohnern sowie der Reichsritterschaft Unruhe breitmachte, gab es vor allem gesellschaftlich idealen Nährboden für Luthers Bewegung. Der Kaiser Karl von Christian Schramm ist ein kluger Kopf, der ahnt, dass Luther schnell zum Märtyrer werden könnte, und mischt sich als Junker Jan verkleidet in der Nacht unter das Volk, um zu verstehen, was auf den Straßen und in den Köpfen vorgeht.

Grandios entfaltet sich durch die präzisen Worte ein Panorama der Ereignisse, in die Junker Jan verwickelt wird. Knapp entkommt er dem Tod durch die aufgewiegelten Massen, indem ein Junker Jörg ihn in den sicheren Dom zieht. Dort erfährt der Kaiser im Gespräch mit dem Burschen, was wirklich los ist im Lande. Er erlebt eine Rede Luthers, in der dieser unter anderem die kaiserliche Stabilitätspolitik unterstützt, und erkennt die drohende Gefahr durch Unruhen im Volk. Er gelangt zu der genialen Lösung, Luther für seine Zwecke zu nutzen, indem er ihn die Bibel ins Deutsche übersetzen lässt und so durch das Wort Gottes in der Volkssprache wieder Stabilität erreicht werden kann.

Schramm ist ein großartiger Darsteller, der Charaktere und Emotionen bis ins Detail auslebt und dessen Text immer wieder überrascht, durch Witz in der Dramatik, durch Ironie und Derbheit sowie reflektierende, tiefgründige Passagen.

         Viktoria Selbert

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